
shz.de 7.2.2012:
Kiel. Der Grund für diese Situation ist der rasante Ausbau der Windkraft- und Photovoltaikanlagen im Land. Die Netzbetreiber kommen mit dem Netzausbau nicht hinterher, sind aber verpflichtet, Betreibern der Anlagen auch nicht einspeisbare Energie zu vergüten.
Wie die Wirtschaftszeitung "missler" in ihrer neuen Ausgabe berichtet, rechnen die Eon Netz GmbH in Quickborn und die Schleswig-Holstein Netz AG durch die vom Land geplante Ausweitung der so genannten Windeignungsflächen auf rund 1,5 Prozent der Landfläche mit einem weiteren Schub beim Bau neuer Windmühlen. Die Einspeiseleistung von Strom aus erneuerbarer Energie werde sich bis zum Jahre 2015 von derzeit rund 3600 Megawatt (MW) auf 10 143 MW verdreifachen. Bei diesem Anstieg, so die Netzbetreiber, werden die Entschädigungszahlungen für ungenutzten Strom in Schleswig-Holstein auf jährlich bis zu 300 Millionen Euro anwachsen. Die Zeche hätten die Stromkunden zu zahlen.
"Achillesferse der Energiewende"
In Schleswig-Holstein müssen nach Berechnungen der Netzbetreiber 700 Kilometer neue Hoch- und Höchstspannungsleitungen gebaut werden, um den Strom aus erneuerbaren Energien zum Verbraucher zu bringen. Für Planung und Neubau werden aber mehrere Jahre vergehen, auch wenn Wirtschaftsminister Jost de Jager am Montag im Interview mit dem sh:z eine Vereinfachung der Planungsschritte forderte. "Der Ausbau der Stromnetze ist die Achillesferse der Energiewende", sagte der CDU-Spitzenkandidat für die Landtagswahl. Von der Bundesregierung forderte er, dass jedes Jahr ein "Fortschrittsbericht" zur Energiewende vorgelegt wird.
Der Vorstandsvorsitzende der Eon Hanse, Hans-Jakob Tiessen, sieht unterdessen beim Netzausbau nicht nur das Land unter Druck. "Wenn der Strom nicht südlich der Elbe weitertransportiert werden kann, droht der Netzausbau in Schleswig-Holstein ins Leere zu laufen", warnte er. Tatsächlich formiert sich in Niedersachsen immer mehr Widerstand gegen die neuen Stromtrassen.